• Wie finde ich einen Tanzpartner?

    Ich werde immer wieder gefragt, wie man einen tollen Tanzpartner (Dame oder Herr) findet, und spüre noch öfter, dass bei vielen Tänzern der dringende Wunsch besteht, DEN Tanzpartner zu finden.

    Ich möchte Euch hier gern ein wenig aus meiner eigenen Erfahrung erzählen – sozusagen aus dem Nähkästchen plaudern. Und ich spreche hier nicht aus meinen Erfahrungen als Tanzlehrerin, sondern als ehemalige Turniertänzerin und leidenschaftliche Socialdancerin. Das sind hauptsächlich natürlich meine eigenen Erfahrungen, aber auch ein wenig die Zusammenfassung, was ich so alles schon bei anderen gehört habe…

    • Das Leistungsniveau des anderen ist nicht das Entscheidende

    Ich tanze seit nun 25 Jahren, und bin am Anfang sehr sehr schnell in den Turniertanz eingestiegen. Ich hatte von Anfang an einfach Spaß am Tanzen, und habe mit jedem, der mich danach gefragt hat, mindestens einen Tanz getanzt. Ich habe mich einfach treiben und überraschen lassen. Und durch diese „Strategie“ haben mich meine beiden Turniertanzpartner (mit zehn Jahren Abstand ;-)) entdeckt. Ich war jedes Mal tänzerisch wirklich unter dem tänzerischen Niveau der beiden Herren. Aber die Frage, ob ich mit jemandem gut tanzen kann, ob also die tänzerische Chemie stimmt, hat fast nichts mit dem Leistungsniveau des anderen zu tun, und das haben meine beiden wundervollen Turniertanzpartner gewusst, als sie mich gefragt haben, ob wir mal Probetanzen. Ich verdanke den Beiden tausende Stunden Spaß und Tuniererfolge.

    Ich habe einmal einen Tänzer kennengelernt, mit dem ich hervorragend getanzt habe – und das, obwohl er im Discofox fast nur den Grundschritt konnte. Das ist bestimmt 10 Jahre her, und ich erinnere mich immer noch daran.

    Umso besser man tanzen kann, umso anspruchsvoller wird man natürlich. Und umso feiner nimmt man die Unterschiede war.

    Und da jeder auch tänzerisch einen eigenen Geschmack hat, ist ein guter Tänzer nicht für jede Dame das gleiche. Wenn Du also mit einem Tanzpartner (Dame oder Herr) nicht gut klar kommst, hat das nicht unbedingt etwas mit seinem Leistungsniveau zu tun, sondern oft einfach mit deinem Geschmack (auf Seite der Folgenden: wie doll oder wie leicht mag ich die Führung, oder auf der Seite des Führenden: Mag ich eher mehr oder weniger Widerstand von der Dame).

    Es ist also wie im Leben 😉 Probiert einfach ganz viel aus, und versucht, mit so vielen Tanzpartnern wie möglich einmal zu tanzen. Und dann werdet Ihr irgendwann Euren persönlichen Favoriten / Eure Favoritin finden, und wenn Ihr Glück habt, empfindet der andere das genauso 🙂

    • Um so mehr Du nach DEM PERFEKTEN Tanzpartner suchst, umso weniger wirst Du ihn finden

    Wenn jemand einen Tanzpartner perfekt findet, heißt das noch lange nicht, dass der andere das genauso sieht. Es gibt manchmal Tanzpaare, die hervorragend!!! miteinander tanzen. Aber sobald sie mit anderen tanzen, kommen beide nicht klar. Sie sind einfach aufeinander eingeschossen.

    Deshalb gibt es nur selten Tanzpaare, die wirklich lange zusammen tanzen. Oft sind diese festen Tanzpaare natürlich Paare oder Ehepaare, oder eben Turniertänzer. Oder einfach Tanzpaare, die das große Glück haben, jemanden gefunden zu haben, bei dem es „Klick“ macht.

    Solange Du diesen Tanzpartner nicht gefunden hast: Hab einfach Spaß am Tanzen, werde selbst immer besser, und dann kommt er oder sie irgendwann vorbei.

    • Suche nicht den perfekten Tanzpartner – sondern den perfekten Tanz

    Tanzen fasziniert uns Menschen so so sehr, aus den unterschiedlichsten Gründen. Er berührt unsere Seele, und er stillt unsere Sehnsucht nie vollständig. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass Tanzen flüchtig ist: Du kannst es nicht festhalten wie eine Fotografie, oder wieder genießen wie einen Film. Du kannst es nicht einmal wiederholen, wie eine Wanderung. Denn der Tanz entsteht ausschließlich in der Gegenwart zu einem bestimmten Titel, mit einem bestimmten Tanzpartner, in einer bestimmten Location. Genieße, wenn Du merkst, dass Du JETZT den perfekten Moment hast, und sei geduldig, wenn der Tanz beim nächsten Mal nicht mehr so wundervoll ist wie der davor. Denn der nächste wundervolle Moment kommt bestimmt.

    • Um so mehr Du lernst, mit UNTERSCHIEDLICHSTEN Tanzpartnern (von Fast-Anfängern bis hin zu Turniertänzern oder Tanzlehrern) gut tanzen zu können, umso WERTVOLLER wirst Du für JEDEN Tanzpartner.

    Eine wirklich gute Tänzerin, und ein wirklich guter Tänzer, können nicht nur mit guten Tanzpartnern tanzen, sondern kommen mit fast jedem gut klar. Wenn Ihr Euch bei der Tanzpartnersuche zu sehr auf die guten Tänzerinnen und Tänzer ausrichtet, werdet Ihr nicht so gut tanzen, wie ihr könntet. Denn die Fähigkeit, auch bei Fehlern des anderen vollständig bei sich selbst und bei seiner Rolle (Führend oder Folgend) zu bleiben, macht einen wirklich guten Tänzer aus. Diese Fähigkeit kann ein sehr guter Tanzpartner bei Euch wahrnehmen, aber lernen könnt Ihr das vor allem bei „nicht so guten“ Tanzpartnern.

    • Kritisiert Euch bitte nicht gegenseitig

    Das gebietet natürlich zum einen sowieso der Respekt und die Höflichkeit.

    Marc Heldt hat einmal einen wundervollen Satz gesagt: „Die Idee des gemeinsamen Tanzen ist um so vieles größer, als dass man sich gegenseitig kritisiert.“ Und das trifft es so sehr ins Schwarze, dass mir immer das Herz aufgeht, wenn ich an diese Worte denke. Denn Sie bedeutet nicht nur, dass man sich nicht kritisiert, sondern dass man die Idee des gemeinsamen Tanzens in den Vordergrund stellt und bei sich bleibt, statt bei dem anderen den Fehler zu suchen.

    Ich habe mittlerweile so viele Tänzer und Tänzerinnen erlebt, und ich weiß aus tiefstem Herzen: JEDER gibt beim Tanzen sein Bestes, und Fehler passieren jedem. JEDEM. Wenn Euch also einmal etwas nicht gefällt, meint der andere es nie böse. Er hat nur einfach mit dem, was sein oder ihr Bestes in dem Augenblick ist, nicht Euren Geschmack getroffen.

    Aber es hat noch andere – eher tanztechnische – Gründe, weshalb ich einen Tanzpartner mittlerweile nur noch in echten Trainingssituationen verbessere (denn dann ist es wirklich erwünscht, dass man sich gegenseitig und auf Augenhöhe trainiert):

    • Mein Fokus liegt immer darauf, Spaß am Tanzen zu haben und selbst besser zu werden.
    • In dem Augenblick, in dem ich mich auf den anderen konzentriere (auf seine „Fehler“), habe ich keinen Spaß mehr, und ich kann mich dann auch nicht auf mich selbst und meine Verbesserung konzentrieren.
    • Umso mehr ich lerne, mit vermeintlichen „Fehlern“ des anderen klar zu kommen, umso besser werde ich, und umso mehr Spaß habe ich am Tanzen.
    • Es gibt nur eine Ausnahme: Wenn der Fehler des anderen mir wehtut, oder ich befürchte, später dadurch Rückenprobleme zu bekommen etc.. Fehler, die mir einfach nur „nicht gefallen“, spreche ich nicht an (was ich aber natürlich auch nicht immer durchhalte ;-)).

     

    • Kritisiert Euch auch nicht vor anderen

    Da gibt es nur eine Ausnahme: Wenn Euch jemand beim Tanzen weh tut, und ihr wollt Eure Freundin oder Euren Freund warnen. Ansonsten sprecht einfach nicht darüber. Denn jemand, der Euch nicht gefällt, kann für jemand anderen tänzerisch das Paradies sein. Es ist einfach auch ganz viel Geschmacksfrage. Und manchmal ist es so, dass die eine sehr gute Tänzerin von einem bestimmten Tänzer begeistert ist, und eine andere ihn grauenvoll findet. Behaltet also immer im Hinterkopf: Es ist Euer persönlicher Geschmack. Nicht mehr und nicht weniger. Für mich ist jemand, der nicht über Tänzer oder Tänzerinnen nörgelt, nur weil sie oder er seinen persönlichen Geschmack nicht getroffen haben, ausgesprochen sympathisch, und ich weiß, das viele Tänzer und Tänzerinnen das genauso sehen!!